Charakter zählt!

Tage der Ignatianischen Pädagogik im Heinrich Pesch Haus eröffnet

„Es ist wie ein großes Familientreffen.“ – Mit sichtlicher Freude, die Kolleginnen und Kollegen aus den Ignatianischen Schulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach der langen Phase der Vereinzelung wieder „live und in Farbe“ zu treffen, begrüßten Tobias Zimmermann SJ, der Direktor des Heinrich Pesch Hauses, und Ulrike Gentner, stellvertretende Direktorin des Hauses, die Teilnehmer*innen. Ganz bewusst hatte das ZIP-Team den Austausch über die Auswirkungen von Corona an den Beginn der Tagung gesetzt, war die Pandemie doch in den letzten anderthalb Jahren gerade auch in den Schulen das vorherrschende Thema.

Neuer Delegat für Ignatianische Pädagogik stellt sich vor

Doch bevor die Diskussion startete, stellte sich mit Pater Christian Rutishauser SJ der neue Delegat für Schulen und Hochschulen der neuen Zentraleuropäischen Provinz vor. Bis zur Gründung der neuen Provinz war er Provinzial der schweizer Provinz. „Ich unterstütze den Provinzial in der strategischen Planung und beim Vernetzen“, erläuterte er seine Aufgaben. Auch das ZIP-Team hat Zuwachs bekommen: Die neuen Referentinnen heißen Verena Urban und Cathrin Rieger.

Auf dem Podium diskutierten dann Dr. Andrea Litzenburger (Maria Ward-Schule Mainz), Dr. Petra Mitlöhner (Kollegium Kalksburg Wien) und Séan Alfken (Canisius-Colleg Berlin) mit Tobias Zimmermann SJ, welche Auswirkungen Corona auf unsere Jugendlichen hat. „Wie hat die Pandemie die Schulen verändert, wie die Gesellschaft und was hat es mit den Schüler*innen gemacht? Wie müssen wir in der Ignatianischen Pädagogik darauf reagieren?“, fragte Tobias Zimmermann und bat auch die Teilnehmer*innen um ihre Einschätzungen.

Corona hat auch Positives bewirkt

Die Diskussionsbeiträge zeigten eindrücklich, welche Auswirkungen die Pandemie auf die Schüler*innen – aber natürlich auch auf die Lehrkräfte gehabt hat: Da gab es durchaus auch Positives zu berichten. Petra Mitlöhner etwa berichtete von einem „neues Gemeinschaftsgefühl zu Beginn des ersten Lockdowns, einem Schulterschluss, fast ein neues Biedermeier“. Doch sei das leider nur von kurzer Dauer gewesen.

Andrea Litzenburger berichtete von einem größeren Respekt der Eltern gegenüber der Lehrertätigkeit. Sie hob die großen Fortschritte bei der Digitalisierung hervor: „Corona war ein Katalysator. Wir wären ohne Corona nicht dort, wo wir heute sind“. Das bestätigte auch Séan Alfken. Am Canisius-Colleg können jetzt alle Schüler Tablets ausleihen. Die Eltern seien jetzt dankbarerer, dass es Schule gebe.

Tage ignatianischer Pädagogik

Die negativen Folgen

Aber, auch das zeigte die Diskussion, manche Aspekte sind während der Schulschließungen komplett vergessen worden, etwa Kinder mit Migrationshintergrund und mit beengten Wohnverhältnissen ohne geeigneten Arbeitsplatz. „Da sehen wir jetzt die Auswirkungen mit psychischen Belastungen“, berichtete Séan Alfen. Außerdem sein die Schüler*innen aus der Ritualisierung des Lernens heraus.

Den Schüler*innen hätten vor allem Umarmungen und haptische Berührungen gefehlt, sagte Petra Mitlöhner. „Das war ein riesen Manko, auch für Kinder, die sonst alles haben“. Große Sorge bereite ihr die Abmeldung von Schülern von der Schule – in Österreich lernen n diesem Schuljahr über 10.000 Kinder von zu Hause aus. „Wer fängt diese Schüler auf? Denn zur Schule gehört mehr als nur das Erreichen von Lernzielen.“

Mehr Sorgen als die Lernrückstände macht Andrea Litzenburger die geringer gewordene Sozialkompetenz der Schüler*innen. Die Kinder müssten wieder „in Wohlwollen und Aufmerksamkeit“ eingebettet werden. Das sei eine große Herausforderung. Sie wies zudem auf den großen Dienst hin, den die Kinder durch die Schulschließungen an der Gesellschaft geleistet haben. „Wir müssen den Kindern ganz viel zurückgeben“, forderte sie.

Was sollte an den Schulen anders sein? Visionen gefragt

Über die notwendigen Maßnahmen, um die Folgen von Corona aufzufangen, waren sich die Vertreter*innen der Ignatianischen Schulen einig: Kleinere Klassen und mehr Personal, mehr schulpsychologische Begleitung und vor allem viel Zeit, die miteinander und ohne Notendruck verbracht werde sollte. „Schule muss ganz stark als Lebensraum der Kinder gestaltet werden“, forderte Andrea Litzenburger. Und Michael Haderer vom Aloisianum in Linz brachte es auf den Punkt: „Es ist die Verantwortung der Ignatianischen Schulen, dass unsere Schulen Orte der Würde sind“. Schule könne, so lautete das Fazit des Abends, nicht in das alte Korsett gezwungen werden, sondern müsse anders gedacht und gestaltet werden, um den Schülern wirklich gerecht zu werden. (ako)

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