„Digital Leadership Education“ in ignatianischen Schulen angelaufen

Persönlichkeitsbildung für die digitale Zukunft

Wie sich unsere Gesellschaft genau verändern wird und wie die Zukunft heutiger Schülerinnen und Schüler wirklich aussehen wird, ist zwar noch unklar. Klar ist jedoch, dass die digitale Vernetzung und die Kommunikationsmöglichkeiten weiter zunehmen werden, das Internet weiter an Bedeutung gewinnen wird (Stichwort Internet der Dinge) und dass in nicht allzu ferner Zukunft Berufe gebraucht werden, von denen wir heute noch nicht wissen, wie sie heißen.

Mit Blick auf diese Welt von Morgen setzen derzeit einige Jesuiten-Schulen gemeinsam mit dem Zentrum für ignatianische Pädagogik (ZIP) das Projekt „Digital Leadership Education“ um. Ziel dieses Projektes ist es, die Herausforderungen der Digitalisierung aufzugreifen und gleichzeitig – in der Tradition ignatianischer Pädagogik – Schülerinnen und Schüler in ihrer Persönlichkeit zu stärken. Die jungen Menschen sollen befähigt werden, eine aktive Rolle in den gesellschaftlichen Diskussionen über die Rolle der Digitalisierung in unserem Leben zu spielen. Anders gesagt: Es geht um Persönlichkeitsbildung für die digitale Zukunft.

Was bedeutet das konkret? In ersten Workshops mit Lehrkräften de beteiligten Schulen wurden schulisch relevante Bereiche identifiziert und entsprechend drei Teilprojekte formuliert, in denen das Projekt ansetzen will: (1) Der Einsatz von Lerntools und Reflexionsebenen, (2) Das vernetzte Gestalten von Unterrichtssituationen und (3) Künstliche Intelligenz und Robotik.

Die Ansätze in diesen Teilprojekten sollen im Folgenden etwas genauer beschreiben werden.

Einsatz von Lerntools und Reflexionsebenen

In einigen Fächern kann der Einsatz von digitalen Lerntools den Unterricht unterstützen. Im Programm „Bettermarks“ beispielsweise werden im Fach Mathematik den Lernenden zusätzliche Aufgaben gestellt, dabei auch unterstützend Erklärungen zum Lösungswege gegeben. Die Lehrkraft kann individuell die Lernfortschritte einzelner Schülerinnen und Schüler verfolgen. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert das Programm „Navigium“, welches im Fach Latein für das Vokabellernen und für Grammatikübungen eingesetzt werden kann. Der Einsatz dieser Programme ermöglicht neben dem direkten Nutzen verschiedene Reflexionsebenen wie z.B. Fragen nach Motivation und Selbständigkeit als auch die Rolle eines „allwissenden Lehrers“.

Vernetztes Gestalten von Unterrichtssituationen

In diesem Teilprojekt wird thematisiert, wie die Digitalisierung sich auf die Unterrichtsmethodik auswirkt. Konkret wird in einigen ausgewählten Fächern nach der Methode „Flipped Classroom“ unterrichtet. Hier wird die Lernsequenz vor die eigentliche Unterrichtszeit verlagert, indem Schülerinnen und Schüler Lernvideos oder andere digitale Materialien zur Vorbereitung auf den Unterricht schauen und im eigenen Tempo bearbeiten. Im eigentlichen Unterricht übernimmt die Lehrkraft dann verstärkt die Rolle eines Coaches. Der kritische Umgang mit digitalen Inhalten, aber auch das Erstellen solcher Inhalte steht in diesem Teilprojekt im Fokus.

Künstliche Intelligenz und Robotik

Die Weiterentwicklung von Robotern im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz wird viele Bereiche unserer Gesellschaft verändern – etwa in selbststeuernden Fahrzeugen oder durch Unterstützungssysteme in der Pflege, um nur zwei Beispiele zu nennen. In der Auseinandersetzung mit Lego Mindstorms sollen der Aufbau und die Funktionsweise von Robotern deutlich und deren gesellschaftlichen Auswirkungen reflektiert werden.

Erfahrungen aus Workshops mit verschiedenen Lehrekollegien zeigen, dass die Digitalisierung tatsächlich alle Fachbereiche einer Schule auf ganz unterschiedliche Weise betrifft. Eine erste zentrale Frage ist dabei der Umgang mit Daten. Sie kann beispielsweise in einem Fach wie Sport thematisiert werden, wenn so genannte Fitness-Apps umfassend die Leistungsfähigkeit und andere persönliche Daten eines Nutzers sammeln können. Die zweite zentrale Frage, an der die Schulen übergreifend zusammenarbeiten wollen, betrifft die Präventionsarbeit, die klug und umfassend die digitale Herausforderung aufgreift und ein gutes Miteinander an Schulen auch im Zeitalter von allgegenwärtigen Smartphones ermöglichen kann.

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