Frohe Weihnachten aus dem HPH!

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen aus der Bildungsarbeit,

wir wünschen Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest. Es wird ein besonderes Weihnachten werden.

Die Pandemie reißt uns aus liebgewordenen Ritualen und Klischees. Aber gerade das bedeutet auch eine Chance, der Krippe näher zu kommen denn je. Denn der Stall, in dem Jesus geboren wurde, war alles andere als ein Idyll.

Wir laden Sie ein, mit uns online, von zu Hause aus, eine Weihnachtsandacht zu feiern, Musik zu hören, Weihnachtsgeschichten und -gedanken, gemeinsam zu beten, Fürbitte zu halten und miteinander in Verbindung zu sein. Wir würden uns freuen, wenn Sie dabei sind. Den Link finden Sie auf der Homepage des Heinrich Pesch Hauses.

Rückblick auf ein turbulentes Jahr

Ein turbulentes Jahr liegt hinter uns. Wie im Brennglas konnte man sehen, wo die Stärken und die Schwächen unseres Bildungssystems liegen. Wer sich schon etwas mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt hatte, hatte bessere Karten, digitales Lernen im Distanz- oder Wechselunterricht zu ermöglichen. Wo es vorher schon knapp herging, brannte es nun lichterloh, Personalmangel, kleine Lernräume und große Lerngruppen … Nicht überall ging das Lernen im Wechselunterricht auf Kosten von Schülerinnen und Schüler mit schwierigen Startchancen. Wir freuten uns, aus manchen Schulen zu hören, dass gerade sie dort eine Chance hatten, besser zu lernen in kleineren Gruppen. Da blieben vorwiegend die zu Hause, die dort gut betreut wurden. Eine Frage der Steuerung mit Augenmaß und dem Blick auf die konkreten Jugendlichen. Unser Eindruck war: Je mehr Schulen die Chance hatten, selbst Verantwortung zu übernehmen – und diese Chance dann auch ergriffen haben –, desto besser konnten sie die Krise meistern. Es war die Stunde der kleinen Schulträger und der Schul- und Einrichtungsleitungen mit Handlungsspielräumen. Sie wissen um die individuelle Situation ihrer Schülerinnen und Schüler. Sie kennen die Möglichkeiten ihrer Ausstattung und die besondere Lage, die es zu berücksichtigen gilt. Sie sind im engen Kontakt mit Eltern und im Austausch mit ihrem Kollegium. Umso ärgerlicher, wenn dann der Staat spät und überregulierend eingriff. Wir denken, darüber müssen wir sprechen, wenn diese Krise vorbei ist. Wo der Staat meint, alles lenken zu müssen, wo Schulen kein Raum bleibt für Eigenverantwortung und individuelle Konzepte, da läuft es seit Jahrzehnten schlecht. Weil aber Schulaufsicht und Schulbetrieb beim Staat in einer Hand sind, ändert sich wenig.

Die Auswirkungen der Pandemie

Die Pandemie hat die Realität unserer Schulen und Bildungseinrichtungen rasanter verändert als wir uns das noch vor einem Jahr hätten ausmalen können. Manche Innovationen, über die vorher noch endlos diskutiert wurde, konnten plötzlich schnell umgesetzt werden. Insofern brachte die Krise bei aller Kraft, die sie uns gekostet hat, auch Vieles voran. Es wurden aber auch viele Allmachtsfantasien nicht nur von Bildungstechnokraten, sondern auch von den Propheten der wunderschönen, unbegrenzten Welt der digitalen Zukunft entlarvt. Wir spüren vielleicht deutlicher als je zuvor, wie unersetzbar in unseren Beziehungen das Geschenk persönlicher Nähe ist, und wie zerbrechlich unsere Existenz bleibt, trotz wissenschaftlichem und technischem Fortschritt.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen aus der Bildungsarbeit,

wir feiern Weihnachten, die Geburt Jesu, eine Menschwerdung. Wir sind das ein oder andere Mal zusammengezuckt bei den Debatten um Schulen in der Pandemie. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass die Würde der Prüfungen unantastbar ist, nicht die der Jugendlichen und der Lehrenden. Wir werden gut schauen müssen, wie sich unsere Bildungskonzepte, die Lernprozesse und unsere Schulen unter dem Druck der Krise verändert haben. Die Krippe ist ein guter Ort dafür, und Weihnachten eine gute Zeit, vor allem dieses Jahr, in dem die Stille vielleicht tatsächlich einmal eine Chance hat und nicht nur Klischee bleibt. Steht Menschwerdung bei uns noch immer im Mittelpunkt? Wird in unseren Schulen noch immer im ausreichenden Maß kritisch nachgedacht, frei diskutiert, kreativ entdeckt und die Freude an der Übernahme von Verantwortung für Andere und für die Gesellschaft vermittelt? Oder sind sie unter dem Druck von Corona noch mehr zu Lernfabriken geworden, dominiert von Schablonen und den Planzielen der Bildungstechnokraten?

Frohe Weihnachten! Bleiben Sie gesund!

Ihr Team vom Zentrum für Ignatianische Pädagogik,

Ulrike Gentner, Tobias Zimmermann SJ, Jana Sand und Kai Stenull

 

 

 

 

 

 

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