Weihnachtsgruß von Pater Johann Spermann SJ und Ulrike Gentner

„… bisher ungedachte Möglichkeiten und ungesehene Perspektiven“

„Was ist eigentlich dein Lieblingslied im Advent?“ –  „Maria durch ein Dornwald ging“. So begann unser Gespräch über den diesjährigen Weihnachtsgruß. Das Lied bedeutet uns beiden viel.

Was uns an dem traditionellen Lied besonders anspricht – darüber mussten wir zunächst ein wenig nachdenken.  Ursprünglich ist es ein Wallfahrtslied. Der Text ist eher sperrig, die Melodie kippt je nach Sänger_innen auch gerne mal ins Kitschige. Wir kennen allerdings viele Menschen, in deren Herzen sich dieses Lied einen Weg gebahnt hat.

Beim Singen des Liedes begleiten wir Maria durch den Dornwald. Maria hat sich auf den Weg gemacht im Vertrauen auf Gott. Wie sie sehen wir den Dornwald widriger Verhältnisse im eigenen Leben und dem Anderer: Abgestorbenes und Widerständiges, Nichtgelebtes und Schmerzhaftes, verlorene Hoffnungen und unerfüllt schmerzende Wünsche.

Das Lied bleibt dabei nicht stehen und wird Balsam für die Seele. Wenn wir es im Gottesdienst oder bei einer Feier singen, entsteht eine ganz bestimmte Atmosphäre. Die Runde der Sänger_innen lässt sich vom Lied berühren. Nach unserem Eindruck öffnet das Lied die Herzen für die Ankunft Gottes, auch wenn der Verstand da noch lange nicht  mitkommt. Hoffnung durchdringt den Raum, die uns nicht festlegt auf das, was bedauert und betrauert werden mag.

So blühen die Rosen, Inbegriff von Schönheit, mitten zwischen den Dornen, öffnen sich symbolisch im Vertrauen auf bisher ungedachte Möglichkeiten und ungesehene Perspektiven.

Das Geheimnis der Menschwerdung Gottes wird spürbar. Die Rosen, sie blühen schon, in froher Erwartung. Ihre zarten Blüten und ihr sanfter Duft sind wie ein Versprechen auf Leben und Zukunft. Das ist die Verheißung, von der dieses alte Lied erzählt.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien einen frohen Advent, in dem die Rosen Ihnen blühen, sowie ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein erfülltes Jahr 2018.

Johann Spermann SJ       Ulrike Gentner

PS: Gerne teilen wir die Gedanken des Jesuiten Theo Schmidtkonz SJ und das Bild von Sieger Köder zu dem Lied „Maria durch ein Dornwald ging“ mit Ihnen.

 

Sieger Köder, Maria durch ein Dornwald ging
© Sieger Köder-Stiftung Kunst und Bibel, Ellwangen

„Von einer schwangeren Frau sagte man:
Sie ist gesegneten Leibes.
Sie ist also ein Segen für die Welt.
Jeder neue Mensch, der entsteht,
der im Mutterleib langsam heranwächst,
ist ein Zeichen erwartungsvoller Hoffnung –
erst recht, wenn Gott selbst Mensch wird.
Im Bild hütet Maria diesen Schatz,
denkt nach, was dies alles bedeutet.
In einem alten Volkslied heißt es:
»Maria durch ein Dornwald ging.«
Der Wald voller Dornen ist ein Symbol.
Einmal für den schwierigen Weg Marias
zu Elisabet über ein weites Bergland.
Dann auch ein Bild für ihre Situation:
Ein Kind – empfangen vom Heiligen Geist –
wer glaubt dies? Auch Josef zweifelt.
Der Dornwald weist auch auf ihre Zukunft,
die ebenfalls voller Probleme sein wird:
Maria versucht mit der ganzen Verwandtschaft,
Jesus mit Gewalt heimzuholen,
um ihn vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Sie hört von ihrem Sohn die herben Worte:
»Wer ist meine Mutter?«
Ihr Weg ist ein Weg durch die Wüste.
Aber – so heißt es in diesem Lied weiter:
»Als das Kindlein durch den Wald getragen,
da haben die Dornen Rosen getragen.«
Weil Maria mit Jesus verbunden lebt,
weil sie seinen Weg bejaht und erträgt,
weil sie Jesus »in ihrem Herzen bewahrt«,
in ihrem Innersten eins ist mit ihm –
darum fangen die Dornen zu blühen an,
werden Dornen zu Rosen, zu Liebeszeichen.
Und diese »Liebe hört niemals auf«.
»Als das Kindlein durch den Wald getragen«,
durch einen dichten, tödlichen Dornwald,
»da haben die Dornen Rosen getragen«.
Ein Bild der Verheißung und Zuversicht:
Die ewige Liebe ist Mensch geworden.
Die Rose verwandelt jetzt jeden Dornwald.
Und der Morgenstern in der Nacht
verspricht Licht und ewiges Leben
über unseren sicheren Tod hinaus.

Jesus,
der Weg deiner Mutter war dornenreich.
Kein Platz für sie in Betlehem.
Gebären muss sie in einem Stall.
Nur durch Flucht kann sie dich retten.
Später kann sie das nicht mehr.
Hilflos steht sie unter deinem Kreuz.
Aber durch den dichten Dornwald hindurch
trägt sie dich, Jesus – treu.
Und du trägst verborgen auch sie.
Du liebst Maria, du liebst auch uns.
Du bringst unsere Dornen zum Blühen,
du verwandelst unsere Tränen in Rosen.
Darum werden wir leben, über-leben.
Denn deine Liebe ist stärker als der Tod.

Theo Schmidkonz SJ, Rosen im Dornwald
© Theo Schmidkonz SJ / Kunstverlag VER SACRUM der Schwabenverlag AG, Bestell-Nr. 967 T. www.versacrum.de

 

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