Weihnachtsgruß von Pater Johann Spermann SJ und Ulrike Gentner

Weihnachten auf die Spur kommen… „kompliziert“, „einfach“ und „unbeirrbar“

Kann man es auch einfacher sagen? Theologen formulieren gerne korrekt. Was herauskommt klingt dann gerne mal „kompliziert“. Manchmal muss man dreimal lesen und fünfmal nachdenken. Uns gefällt so ein Theologengedankenlabyrinth sehr. Wir würden es Ihnen gerne zu Weihnachten präsentieren. Vielleicht haben Sie ja die Muse es ein- oder zwei- oder gar dreimal zu verkosten. Es handelt sich dabei um eine der schönsten Textpassagen des Jesuiten Karl Rahner zum Geheimnis der Weihnacht:

„Wer ist gekommen? Der, der im Alten das Neue wirken will, denn das Alte ist noch da. Was wirkt er? Sich erwirkt er in uns. Wer ist er? Das unsagbare Geheimnis, das einzige, was wir wirklich begreifen. Wie ist er gekommen? Die Antwort kam als Frage, Gott als Mensch, damit wir verstehen, dass die Frage schon gnadenvoll die Antwort in sich birgt. Wieso aber ist das unsagbare Geheimnis gekommen, wenn es doch immer unser Dasein durchwaltet? Weil es bei uns ist nicht als Ferne und Gericht, sondern als unsagbar nahe Nähe und die Vergebung, aus der alle Liebenden leben, und weil es kommen wollte in Geist und Fleisch, da nur in beidem der eine Mensch gerettet werden kann. Was wirkt dieses unsägliche Geheimnis, das wir Gott nennen in uns? Inmitten unserer Sterblichkeit und verstummenden Vergeblichkeit die Jugend des ewigen Lebens. Glaubst du das? Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben. Wenn du glaubst, hast du das ewige Leben. Wenn du meinst, nicht zu glauben, vertraue, Gott wird dir den Glauben schenken, der sich selbst erkennt. Ein Kind ist uns geboren. Erschienen ist die ewige Jugend des unsterblichen Gottes als die wahre Innigkeit unseres Lebens.“ (Karl Rahner: Weihnachten, in: Ders.: Schriften zur Theologie VII, Zürich/Köln 1966, 127).

Wenn Sie diesen Text  mehrfach in Stille und mit Muse lesen, sich Zeit lassen, die innere Resonanz dieser Worte zu schmecken und den Dingen und Gefühlen nachzusinnen, die auch damit verbunden sind, entstehen eigene Gedanken und Worte rund um das Thema Weihnachten.
Vielleich werden die Worte dann „einfach“, die Gott in Ihrem Herzen spricht: „Ich liebe dich, du Welt und du Mensch. Ich komme dir innerlich nahe, um die Abgründe deines Herzens zu füllen.“ Und vielleicht sehen Sie dieses Geheimnis auch in den Herzen der Menschen um Sie herum wirken? Und vielleicht werden diese Worte Schlüssel für Hoffnung und Freude, die Welt zu erschließen?

Die Hoffnung und den Glauben lassen wir uns „unbeirrbar“ nicht nehmen, dass er kommt nicht nur in unsere Idylle und unseren Alltag, sondern auch in all dem Elend von Krieg, Terror, Hass, Verfolgung, Vertreibung, Gewalt, Krankheit und Not.

Für die Zusammenarbeit, das Begegnen und gemeinsame Lernen in unseren Veranstaltungen und Projekten danken wir Ihnen herzlich.

Wir wünschen Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und Muse für das Hören des Klanges der Liebe Gottes in uns und unter uns!

Johann Spermann SJ                    Ulrike Gentner

Bild: (c) Friedbert Simon/www.pfarrbriefservice.de

  • << Dez 2017 >>
    MDMDFSS
    27 28 29 30 1 2 3
    4 5 6 7 8 9 10
    11 12 13 14 15 16 17
    18 19 20 21 22 23 24
    25 26 27 28 29 30 31