Hochwertige Vorträge und praktische Impulse bei den "Tagen der Ignatianischen Pädagogik"

„In einer digital geprägten Welt souverän und in Würde leben“

Digitalisierung und Schule – Was ändert sich an den Schulen, welche Kompetenzen brauchen Lehrkräfte angesichts der technischen Veränderungen und was bedeuten sie für die Persönlichkeitsbildung der Schülerinnen und Schüler? Das war das zentrale Thema bei den diesjährigen „Tagen der Ignatianischen Pädagogik“ im Heinrich Pesch Haus.

Schulleitungen, Lehrkräfte und Jesuiten aus Jesuitenkollegien in Deutschland, Österreich, Ungarn und Litauen sowie in assoziierten und Maria-Ward-Schulen kamen drei Tage zusammen, hörten wichtige Impulsreferate und tauschten sich über vielfältige Fragestellungen aus.

Prof. Dr. Stefan Aufenanger von der Universität Mainz stimmte mit seinem Vortrag in das Thema ein. Seine zentrale Aussage: Die Digitalisierung der Gesellschaft stehe erst am Anfang, sei aber im Gange und nehme noch weiter zu; sich ihr zu verweigern mache keinen Sinn. Deshalb müssten sich Schule und Lehrende darauf einstellen – sie müssten „nicht alles gut finden“, aber lernen, damit umzugehen. Das erfordere bestimmte Kompetenzen.  Aufenanger machte auch den Skeptikern deutlich, dass sie nicht jede neue Technik beherrschen müssen. Aber sie sollten sie in den Grundzügen kennen, um sie reflektieren zu können und mit den jungen Menschen darüber ins Gespräch zu kommen. Wichtig für Lehrer und Schüler sei, künftig „in einer digital geprägten Welt souverän und sozial verantwortlich handeln zu können und in Würde zu leben.“

Zur Untermauerung zeigte er ein Beispiel aus einem niederländischen Museum. Auf einem Foto sind Jugendliche zu sehen, die mit dem Rücken zu einem Meisterwerk sitzen. Doch das Vorurteil, sie interessierten sich nicht dafür, stimmt nicht: Tatsächlich hat das Museum eine spezielle App entwickelt, die es Jugendlichen ermöglicht, sich mit der ausgestellten Kunst intensiv zu beschäftigen.
In einem Workshop mit dem Referenten ging es danach um die Frage der Gelingensfaktoren beim Einsatz digitaler Medien: Wie können sich Kolleg_innen gegenseitig und Schüler_innen die Lehrkräfte unterstützen?

Einen eindrucksvollen Praxisbericht lieferte Jordi Cienfuegos aus acht Jesuitenschulen in Barcelona, der unter anderem bei Michael Karnatz und Dr. Ralf Imbeck vom Berliner Canisius-Kolleg auf besonderes Interesse stieß. Vor rund zehn Jahren startete hier ein Schulentwicklungsprozess, an dem Schüler, Lehrer und Eltern beteiligt wurden. Rund 500 Ideen kamen zusammen, manche illusorisch, andere sehr praxisorientiert. Ganz häufig nannten die Schülerinnen und Schüler den Wunsch nach bunteren Räumen. Ohnehin anstehende Renovierungsarbeiten ließen diesen Wunsch Wirklichkeit werden: Wände wurden versetzt und farbenfroh gestrichen.

Auch der Unterricht wurde geändert. Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 14 Jahren werden in fächerübergreifenden Projekten von Lehrer-Teams betreut. Drei Lehrer sind gemeinsam für eine Gruppe von 60 Schüler_Innen zuständig. Hierbei spielt auch der Einsatz von digitalen Medien eine große Rolle – die Schüler recherchieren selbstständig, forschen, werden kreativ und entwickeln dabei eine große Selbstständigkeit, Sozialkompetenz und sind hoch motiviert.

In den zwei Workshop-Phasen wurde in acht Gruppen an diesem und weiteren Impulsen weitergearbeitet. Dabei wurden diverse Einsatzmöglichkeiten der Digitalisierung fächer- und standortübergreifend vorgestellt und diskutiert. Hierzu gehörte auch ganz praktisch eine Einführung in die Technik, um professionell kleine Clips selbst zu erstellen. Ebenso wurde das Anliegen, Ignatianische Pädagogik im Unterricht sichtbar zu machen, thematisiert – und die Frage, was im Vergleich zu anderen Schulen exklusiv als profilbildend benannt werden kann.

Der letzte Tag des Treffens bestand dann in einer Reflexion innerhalb der jeweiligen Schulen: Sie klärten für sich Fragen wie die nach angestrebter Veränderung, Interesse an Vernetzung und dem, was sie zur Umsetzung vor Ort benötigen. Dazu dient die erste Auswertung einer SINUS-Studie aus dem vergangenen Jahr, die erfreuliche und ermutigende Ergebnisse erbracht hatte.

Die Tage der Ignatianischen Pädagogik boten auch in diesem Jahr viele Impulse, Informationen und die Möglichkeit zu Austausch und Begegnung. „Hochwertige Vorträge, die facettenreich die im Mittelpunkt stehende Thematik beleuchteten“, lobte Torsten Liebscher vom Aloisiuskolleg in Bonn.  „Daran anknüpfend wurde die Tagung durch das hohe Maß an informellem Austausch der Teilnehmenden aus unterschiedlichen Schulen und mit unterschiedlichen Aufgaben- und Tätigkeitsfeldern abgerundet und die jeweiligen individuellen Netzwerke ausgebaut“, so Liebscher weiter. So sah es auch Mag. Irene Pichler vom Kollegium Kalksburg in Österreich, die besonders positiv die Workshops empfand, die sie als „Werkzeug für den schulischen Alltag“ betrachtet. „Teil dieses Netzwerks zu sein, ist wohltuend und unterstützend bei der Umsetzung unseres pädagogischen Auftrags“, blickt sie dankbar auf die „Tage der Ignatianischen Pädagogik 2017“ zurück.

 

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