Video-Projekt als spannende Variante moderner Verkündigung / Ausbildung in der Erzählwerkstatt des HPH

Im Erzählen entsteht eine gemeinsame Welt

Ein ungewöhnliches Projekt erlebte im Kaisersaal des Domes Premiere: Die Schulabteilung des Bistums Speyer und das Internetportal katholisch.de präsentierten gemeinsam das Video-Projekt „Die Bibel-Erzähler.“In kurzen Sequenzen von etwa drei bis fünf Minuten schlüpften die Erzähler in ungewöhnliche Rollen und ermöglichten eine neue Begegnung mit bekannten biblischen Erzählungen.

So berichtete zum Beispiel Rebecca Burkhart über die Tempelreinigung aus der Perspektive einer zeitgenössischen Journalistin. Als Arbeiter im Weinberg machte Michael Rick seinem Ärger über die vermeintlich ungerechte Behandlung durch den Gutsbesitzer Luft. Daniel in der Löwengrube wurde von Erzählerin Geraldine Wagner aus der Perspektive der jüngeren Schwester präsentiert. Stefan Schwarzmüller ließ eine Begegnung von König Salomo mit dem kleinen Prinzen vor den Zuhörern entstehen. Die vier Erzähler verkörperten ihre Figuren mit Temperament und Spannung und nutzten das gesamte Repertoire der schauspielerischen Möglichkeiten für eine nuancierte Gestaltung. Die biblischen Geschichten gewinnen so eine ganz neue Vitalität und Unmittelbarkeit. Sie ziehen den Zuhörer ins Geschehen hinein, er wird selbst Teil der Geschichte. Markus Schneider verband die Erzählungen sensibel mit Stücken auf der Gitarre.

Die vier Religionspädagogen haben die Ausbildung zum Bibelerzähler in der Erzählwerkstatt des Heinrich-Pesch-Hauses in Ludwigshafen absolviert, die vom Zentrum für Ignatianische Pädagogik unterstützt wird. Die Bibelstellen für die Videos haben sie individuell ausgewählt und auch, welche Perspektive sie dafür einnehmen wollen. Die Aufnahmen wurden, begleitet von Redakteurin Dr. Madeleine Spendier und Regisseur Joachim Küffner von katholisch.de, in einem Bonner Theater aufgenommen.
Die Bibel auf neue Weise zur Sprache bringen

Für Domkapitular Dr. Christoph Kohl, Leiter der Hauptabteilung „Schule, Hochschule, Bildung“ des Bischöflichen Ordinariats, ist das Video-Projekt „Die Bibel-Erzähler“ ein Stück moderner Verkündigung. „Wir haben gemerkt, wie ansteckend diese Art des Erzählens ist“, berichtet Initiatorin Dr. Irina Kreusch. So könne ein neuer Zugang zu den jahrtausendealten Erzählungen eröffnet werden. Um das zum Beispiel im Schulunterricht einsetzen zu können, sei die Idee entstanden, die Bibelerzähler zu filmen. „Wir sollen die Bibel mit dem Projekt neu sprachfähig machen“, so Irina Kreusch.

Ulrike Gentner, stellvertretende Leiterin des Heinrich-Pesch-Hauses, freut sich, dass aus der Erzählwerkstatt der Anstoß zu dem Video-Projekt hervorgegangen ist. „Erzählen stiftet Gemeinschaft und Sinn, es vermittelt Werte und lässt eine gemeinsame Welt entstehen“, beobachtet sie aktuell eine Renaissance des Erzählens. Die Bibel halte einen großen Schatz von Erzählungen bereit, die es neu zu entdecken gelte.

Und was hat das Projekt den Erzählern selbst an neuen Erkenntnissen und Erfahrungen gebracht? „Im Erzählen wird der Text zur eigenen Geschichte“, berichtet Rebecca Burkhart. „Man verinnerlicht die Erzählung und gewinnt im Ringen mit dem Stoff schrittweise eine neue Freiheit, die man sich auch gönnen darf im Wissen darum, dass jeder biblische Text bereits eine Deutung enthält“, bekräftigt Stefan Schwarzmüller. Geraldine Wagner findet es spannend, durch das Erzählen eine neue Sicht auf eine Geschichte zu gewinnen. „Am Anfang kostet es etwas Überwindung, aber dann kommt der Punkt, an dem man merkt, dass der Funke überspringt“, hat Michael Rick beim Erzählen erfahren.

Link zu den Bibel-Erzählungen:

Der Zöllner, erzählt von Rebecca Burkhart

Der ungläubige Thomas, erzählt von Stefan Schwarzmüller

Der barmherzige Samariter, erzählt von Michael Rick

David und Goliath, erzählt von Geraldine Wagner


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