Stellungnahme der Jesuitenschulen gegen Vorwurf gegen „Privatschulen“

Bildung scheitert nicht am Schulgeld!

Das „Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung“ hat kürzlich in einer Studie den Vorwurf gegen „Privatschulen“ erhoben, dass diese sich sozial abschotten und in den meisten Bundesländern das Grundgesetz missachteten, das in Artikel 7 die soziale Sonderung verbietet (vgl. dazu SZ, 18.11.2016). Dazu nehmen die Rektoren der drei Jesuitenschulen in Deutschland Stellung:

1.    Die Jesuitenschulen verstehen sich (wie alle kirchlichen Schulen) nicht als „Privatschulen“, sondern als Schulen, die zu öffentlich anerkannten Bildungsabschlüssen führen und also einen öffentlichen Auftrag wahrnehmen. Sie nehmen damit nicht nur ein Recht wahr, das im Grundgesetz festgeschrieben ist, sondern erfüllen auch damit tatsächlich ein Anliegen der Verfassung, das nach 1945 in Artikel 7 GG festgeschrieben wurde: Bildung und Erziehung sollen nicht mehr allein dem Staat obliegen. Da die Jesuitenschulen nicht vom Staat, sondern von nicht-staatlichen Trägern (in unserem Fall vom Jesuitenorden) getragen werden, bezeichnen sich sie selbst zusammen mit kirchlichen und anderen Schulen als „Freie Schulen“.

2.    Die Bundesländer organisieren die Refinanzierung der Freien Schulen unterschiedlich. Da in Nordrhein-Westfalen grundsätzlich kein Schulgeld erhoben werden darf, ist der Besuch des Bonner Aloisius-Kollegs kostenfrei. Anders verhält es sich mit dem Kolleg St. Blasien in Baden-Württemberg und dem Canisius-Kolleg in Berlin. Dort wird Schulgeld erhoben. Das Schulgeld, welches im Berliner Canisius-Kolleg und im Kolleg St. Blasien erhoben wird, liegt unter der vom Bundesverfassungsgericht festgelegten Obergrenze von 150 €. Die Einzelheiten können auf den Homepages der jeweiligen Kollegien eingesehen werden.

3.    Zu unterscheiden von den Schulkosten sind die Internatskosten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besuchen ca. 80 (von insgesamt 740) interne Schülerinnen und Schüler das Aloisius-Kolleg, und ca. 200 (von insgesamt 750) Interne das Kolleg St. Blasien.

4.    Warum aber müssen Jesuitenschulen (wie je nach Bundesland auch andere kirchliche Schulen) Schulgeld nehmen? Zum einen, weil der Staat grundsätzlich bei nicht-staatlichen Schulträgern einen Eigenbeitrag für den Betrieb der Schule erwartet. Der Staat spart aber auch darüber hinaus an jedem Schüler, der auf eine Freie Schule geht. Er kann bei seinen eigenen Schulen zugleich Kosten vermeiden, die freie Schulträger nicht vermeiden können. So bildet der Staat zum Beispiel keine Rücklagen für die Altersversorgung von Beamten, sondern wälzt diese Lasten komplett auf die kommenden Generationen ab. Zudem tauchen viele Kosten im staatlichen Schulbudget nicht auf, weil der Staat selbst die Schulen, auch seine eigenen, seit Jahren kaputt spart. Allein der Zustand der Schultoiletten ist ein Symptom für das, was jungen Menschen und Lehrenden in diesem reichen Land zugemutet wird. Wenn nun die Tatsache, dass freie Schulträger sich mit diesen Zuständen nicht abfinden wollen und etwas dagegen tun, ihnen zum Vorwurf gemacht wird, dann ist das ein Vorwurf nach dem Motto „Haltet den Dieb“. Es verhält sich nämlich vielmehr so: Die Schulgelder und weiteren Zuschüsse der freien Schulträger aus eigenen Mitteln spiegeln wider, was es wirklich kosten würde, wenn die staatliche Schulpolitik ihren Lippenbekenntnissen endlich Taten folgen lassen und den Skandal beenden würde, dass in Deutschland für Bildung viel weniger Geld zur Verfügung gestellt wird, als vergleichbare Gesellschaften es tun.

5.    An allen Jesuitenschulen gilt der Grundsatz: „Der Besuch der Schule und die Teilnahme an Schulveranstaltungen scheitert nicht am Schulgeld.“ Die Behauptung, freie Träger, die beim Schulgeld Reduktionsmöglichkeiten und/oder Schulgeldstaffelung vorsehen, würden am Ende doch nur die Kinder begüterter Eltern bei der Aufnahme bevorzugen, ist reine Unterstellung. Nicht wenige Eltern, die an Jesuitenschulen Schulgeldreduktion erhalten, verzichten im Übrigen auf ihnen zustehende Sozialleistungen des Staates. In Statistiken tauchen sie nicht auf. Auch dies wird durch Schulgeld und hohe Eigenleistungen des Trägers mitfinanziert.

6.    Am Ende der Verdächtigungsspirale stehen die Eltern. Ihnen wird unterstellt, es ginge ihnen bei der Wahl einer „Privatschule“ darum, sich sozial abzusondern. Studien wie die o.a. Untersuchung des  Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung instrumentalisieren das von Jesuitenschulen wie von den allermeisten anderen Freien Schulen voll und ganz bejahte Sonderungsverbot des Grundgesetzes, um freie Schulträger und Eltern einer Verdachtslogik zu unterwerfen, die ihrerseits das Anliegen von Artikel 7 GG übersieht: Dass Bildung nämlich nicht nur eine staatliche, sondern eine zivilgesellschaftliche Angelegenheit ist. Letztlich geht es um die Frage, was für eine „Bildungsrepublik“ wir haben wollen. Wenn der Staat wirklich begreifen würde, dass er auf zivilgesellschaftliches Engagement bei der Gestaltung der „Bildungsrepublik“ angewiesen ist, würde er die Freien Schulen (und seine eigenen Schulen) endlich angemessen ausstatten, statt Studien zu finanzieren, deren Ertrag Zeitungsseiten füllt, aber keiner einzigen Schule nützt.

Denn dies sei abschließend auch gesagt: Wieder einmal wird, diesmal mit der Studie des „Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung“ und im entsprechenden Medienrummel die unterernährte Kuh namens „Bildung“ gewogen, statt sie zu füttern. Uralte Hüte mit viel Moral und wenig Realitätssinn werden aus dem Sack gezogen. Wieder einmal dominieren Juristen und Soziologen den Schuldiskurs. Wie selbstreferentiell dieser ist, zeigt sich daran, dass die Lehrenden schon längst verstummt sind. Stattdessen wird vom hohen Ross einer „Wissenschaft“, die von staatlicher Subvention lebt, nach mehr Staatsdirigismus gerufen, der einschüchtert und absäbelt, was aus dem grauen Einerlei heraus ragt, weil es Eltern und Träger gibt, die bereit sind, sich zu engagieren und dafür zu zahlen, was Schule eben kostet, wenn man sie nicht kaputtspart.

Im Dezember 2016

P. Klaus Mertes SJ, Kolleg St. Blasien

P. Johannes Siebner SJ, Aloisiuskolleg Bonn

P. Tobias Zimmermann SJ, Canisius-Kolleg Berlin

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